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ZAMMA in Garmisch-Partenkirchen: Der ganze Ort war einmal da

Veranstalter ziehen positive Bilanz beim Kulturfestival Oberbayern 2019


Rund 28.000 Besucher, positive Rückmeldungen und viele bleibende Kooperationen sind das Resümee des einwöchigen inklusiven Festivals, das am 20. Juli in Garmisch-Partenkirchen zu Ende gegangen ist.


Über hundert Vereine, Institutionen, Organisationen und örtliche Kulturschaffende haben sich am Programm beteiligt und gemeinsam 50 Veranstaltungen entwickelt: von Musik, Theater, Tanz, Bildender Kunst, Umwelt und Religion war alles dabei. Hauptveranstalter Bezirk Oberbayern war nicht nur mit Programm in seinen regionalen Einrichtungen – dem Freilichtmuseum Glentleiten und der kbo-Lech-Mangfall-Klinik – vertreten, sondern hat erstmals auch seine „Kulturkuppel“ präsentiert. Auf dem Richard-Strauss-Platz hat das große blaue Zelt mit der audiovisuellen Installation „Kosmos Oberbayern“ im Inneren rund 5.000 Besucherinnen und Besucher angezogen.

Vor allem die junge Generation war bei ZAMMA präsent, zum Beispiel bei den zahlreichen Musikveranstaltungen, an denen sich die Musikschule Garmisch-Partenkirchen beteiligt hat: vom Musikpicknick im Lenzheim, dem Sommer- und dem Kinderkonzert im Kongresshaus bis hin zur Straßenmusik auf dem Richard-Strauss-Platz. Bei der ZAMMA-Eröffnung im Michael-Ende-Kurpark waren mehrere hundert Schülerinnen der St. Irmengard-Schulen mit Musik und Gesang zu hören. Gemeinsam entwickelt und aufgeführt haben das Werdenfels-Gymnasium und die St. Irmengard-Schulen das Theaterstück „Like my nose“ und den Musikabend „Film im Ohr“. Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche gab es täglich im ZAMMA-Zirkuszelt und im Jugendzentrum, wo neben Konzerten auch Lesungen, Filme und Workshops im Angebot waren.

Neben dem Programm ist den Veranstaltern besonders wichtig, dass das Festival nachhaltige Impulse gibt. „Was bleibt, sind allein schon die vielen Kontakte, die durch ZAMMA zwischen den Menschen in Garmisch-Partenkirchen entstanden sind – zum Beispiel bei der Chornacht, beim Straßenfest in der Chamonixstraße oder in der Demokratiewerkstatt mit Christian König, wo die Themen Mobilität, Wohnraum, Jugend und Familie sowie bürgerschaftliches Engagement diskutiert wurden. Die Menschen sind im wahrsten Sinn des Wortes näher zusammengerückt“, freut sich die 1. Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer.

Bei der Abschlussveranstaltung gibt sie bekannt, dass sie nächstes Jahr ein kleines Nachfolgefestival von ZAMMA an einem Wochenende im Sommer plant. „Vielleicht ausschließlich im Michael-Ende-Kurpark, weil das ein perfekter Ort für Kunst und Kultur, aber auch für das Miteinander der Generationen und aller Menschen ist.“ Der Bezirk Oberbayern fördert ein solches Engagement der Kommune noch für sechs Jahre – in den ersten beiden Jahren mit jeweils 15.000 Euro. Auch bei einzelnen ZAMMA-Projekten ist eine Fortsetzung bereits im Gespräch, so beispielsweise bei der „Spielwiese“ im Kurpark Partenkirchen oder beim Dia-Abend „#ferienbildergap“ im Rathausinnenhof. Auch Musikveranstaltungen verschiedener Stilrichtungen wie das inklusive Konzert „Bayerischer Rock“ sollen wiederholt werden.

Am Ball bleiben auch die Jugendreporter, die auf zwei Sonderseiten im Garmisch-Partenkirchner Tagblatt und online auf jugendreporter-gap.de über das Festival berichtet haben. Der Kreisjugendring Garmisch-Partenkirchen möchte das Projekt künftig sogar auf den ganzen Landkreis ausdehnen. Interesse über die Grenzen des Festivalorts hinaus haben die bei ZAMMA entstandenen Mitfahrbänke ausgelöst: Bereits jetzt gibt es im Umland über zehn weitere Standortwünsche, und einige Touristen fanden die Idee so gut, dass sie sie in ihre Heimatorte mitgenommen haben.

Unter den 30 ZAMMA-Spielorten wurden einige bei ZAMMA zum ersten Mal ausprobiert. So waren auf dem Spielplatz an der Wettersteinstraße die Jüngsten an Spielstationen „Unterwegs mit Jim Knopf“ – und auch die Chamonixstraße und der Rathausinnenhof wurden als stimmungsvolle Kulturorte entdeckt.

Großer Wert wurde bei dem inklusiven Festival auf die Barrierefreiheit gelegt: angefangen beim barrierefreien Programm auf der ZAMMA-Website bis hin zu den vielen Veranstaltungen, bei denen Gebärdensprachdolmetscher anwesend waren und Induktionsschleifen für Menschen mit Hörbehinderung zur Verfügung standen. Menschen mit und ohne Behinderungen, verschiedener Generationen und Kulturen waren als Besucher, aber auch als Akteure dabei. Darüber hinaus hat der gut besuchte Sinne-Parcours am Richard-Strauss-Platz die Festivalbesucher für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen sensibilisiert. Dort haben blinde und sehbehinderte Fachleute die Sehenden durch einen Dunkelraum geführt. Außerdem konnte man ausprobieren, wie es sich anfühlt, wenn man nichts hört oder sich im Rollstuhl fortbewegt.

„Das alles stärkt das Miteinander und macht den abstrakten Begriff ‚Inklusion‘ lebendig. In Garmisch-Partenkirchen ist dieses Anliegen voll aufgegangen“, zieht Bezirkstagspräsident Josef Mederer Bilanz. „Alle haben mitgemacht, es war schön, die Begeisterung zu spüren.“ Auch vom Geldbeutel hing die Teilnahme nicht ab: Bei allen Veranstaltungen war der Eintritt frei. Der Bezirk Oberbayern richtet das inklusive Mitmachfestival seit 1980 alle zwei Jahre in einer anderen oberbayerischen Kommune aus. Das Besondere an dem Festival ist, dass alle Veranstaltungen von den Menschen vor Ort selbst entwickelt werden.